Die Geschichte der Marke Gigandet
Die Marke Gigandet verbindet über 98 Jahre Schweizer Uhrmachertradition mit moderner deutscher Präzision. Ihre Geschichte ist geprägt von Innovation, unternehmerischer Stärke und der Fähigkeit, Krisen zu meistern.
Die Gründung und frühe Jahre (1926–1930er)
1926 gründete Charles Gigandet (1901–1966) gemeinsam mit seinem Partner Rieder das Unternehmen Rieder & Gigandet in Solothurn/Langendorf. Am 3. Februar 1926 wurde die Marke RIGI eingetragen, 1927 folgte RIGIS sowie die Marke Selma.
Die Firma produzierte mechanische Uhren und Uhrwerke mit Ankerwerken, Breguet-Spiralen und Gehäusen aus Gold, Silber und Edelstahl. Bereits in dieser Phase zeichnete sich Charles Gigandet durch technisches Talent aus.
Wichtige Patente in den 1930er Jahren
1937 meldete Charles Gigandet Patent Nr. 195.703 für einen hermetischen Aufzugs- und Zeiteinstellungs-Mechanismus an. 1938 folgte Patent Nr. 206.982 für ein innovatives wasserdichtes Uhrgehäuse. Beide Patente unterstreichen die frühe technische Kompetenz des Unternehmens.
Der Aufschwung in Tramelan (1950er–1960er Jahre)
1951 verlagerte die Firma ihren Sitz nach Tramelan (Rue du Nord 47) und firmierte als Charles Gigandet S.A. 1952 bestand eine Kooperation mit Chopard.
In dieser Zeit wurde Gigandet zu einem wichtigen Zulieferer für die amerikanische Wakmann Watch Company. Über Wakmann entstand eine enge Zusammenarbeit mit Breitling. Gigandet lieferte hochwertige Chronographen mit Kalibern wie Valjoux 72, Valjoux 88 und Landeron 248 – oft als Co-Branding Wakmann oder Breitling/Wakmann.
1957 lancierte Charles Gigandet die Evermatic-Kollektion, die zum ikonischen Klassiker und Flaggschiff der Marke wurde.
1961 entstand eine moderne Fabrik in Tramelan mit über 70 Mitarbeitern.
Die Ära von André Gigandet (1966–1987)
Nach dem Tod von Charles Gigandet 1966 übernahm sein Sohn André Gigandet (1927–1989) gemeinsam mit Jean-Pierre die Leitung. 1974 trat das Unternehmen der Micro-Time S.A. Gruppe bei.
Während der Quarzkrise der 1970er Jahre bewies André Gigandet großen unternehmerischen Weitblick. Die Firma brachte eine der ersten plastischen Quarzuhrren für Damen auf den Markt, hielt jedoch an der mechanischen Tradition fest.
Schwere Schicksalsschläge und Übergabe
1986 starb Charles Gigandet jun. (1958–1986) bei einem Verkehrsunfall in Italien. 1987 übergaben André und Jean-Pierre das Unternehmen an David Fueter. André blieb noch als Designer aktiv, bis er 1989 verstarb.
Die Wiederbelebung „Made in Germany“ (seit 2019)
2019 wurde die traditionsreiche Marke von einem deutschen Unternehmen übernommen und vollständig nach Würzburg verlegt. Seitdem erfolgt die gesamte Fertigung in einer eigenen Manufaktur unter dem Siegel „Made in Germany“. Entwicklung, Design, Prototyping, Montage und Qualitätskontrolle finden unter einem Dach statt.
Heute verbindet Gigandet die über 98-jährige Schweizer Uhrmachertradition – von RIGI und RIGIS über Evermatic und die Chronographen-Ära mit Wakmann/Breitling bis zur heutigen Präzisionsfertigung – zu mechanischen Uhren von bleibendem Wert.